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Mrz 28

Der tragische zweite Fehler des Fahrdienstleiters

Beim Zug-Unglück von Bad Aiblingen Anfang Februar rasen zwei Regional-Züge ineinander. Elf Menschen sterben, 85 Personen werden zum Teil schwer verletzt

Beim Zug-Unglück von Bad Aiblingen Anfang Februar rasen zwei Regional-Züge ineinander. Elf Menschen sterben, 85 Personen werden zum Teil schwer verletzt

Neue Details sieben Wochen nach dem tödlichen Zug-Unglück von Bad Aibling

Sieben Wochen nach dem tödlichen Zug-Unglück von Bad Aibling (Bayern) kommen neue, tragische Details ans Licht. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (59, CSU) enthüllt in BILD: „Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen.“

DER TÖDLICHE ZWEITE FEHLER DES FAHRDIENSTLEITERS!

►►► 9. Februar, gegen 6.45 Uhr: Fahrdienstleiter Michael P. (39) gibt aus dem Stellwerk in Bad Aibling die eingleisige Strecke zwischen Bad Aibling Kurpark und dem Bahnhof Kolbermoor für zwei Züge gleichzeitig frei – der erste Fehler!

Als Michael P., der seit dreieinhalb Jahren als Springer in verschiedenen Stellwerken eingesetzt wird, seinen Fehler bemerkt, drückt er den Notruf.

„Der Fahrdienstleiter hat, als er seinen ersten Irrtum bemerkte, einen ersten Warn-Funkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen“, sagt Innenminister Herrmann. „Er hat – möglicherweise aus Aufregung – jedoch die falsche Taste gedrückt. Der Funkspruch ging an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung. Die haben sich daraufhin bei ihm gemeldet. Daraufhin schickte der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer. Diesmal drückte er die richtige Taste, aber da war es schon zu spät.“

In diesem Stellwerk am Bahnhof von Bad Aibling geschahen die tödlichen Fehler Quelle: Bild.de

In diesem Stellwerk am Bahnhof von Bad Aibling geschahen die tödlichen Fehler
Quelle: Bild.de

Die Meridian-Züge stoßen zusammen, elf Menschen sterben, 85 werden zum Teil schwer verletzt. Herrmann: „Wäre der erste Funkspruch bei den Lokführern angekommen, hätte das Unglück womöglich noch verhindert werden können. Das ist ganz besonders tragisch.“
Die Ermittlungen der Polizei ergeben: Es war menschliches Versagen! Herrmann: „Es sind mittlerweile auch alle technischen Defekte ausgeschlossen: Die Züge waren technisch völlig in Ordnung, inklusive der Bremsen. Das Funknetz hat funktioniert, ebenso alle Stellwerk-Funktionen.“
BILD fragte einen erfahrenen Fahrdienstleiter, wie es zu so einer Verwechslung kommen kann. „Die Tasten liegen nebeneinander“, erklärt der Experte. Sie sind mit den Abkürzungen „ZF“ (Zugführer) und „Str“ (Strecke) abgekürzt. „Hat man die rote Notruftaste gedrückt, erscheinen die beiden Felder auf einem Touchpad. Will man die Zugführer erreichen, drückt man ZF.“ Dann wird der Funkspruch abgesetzt.
Der Experte: „Diese Situation ist wichtiger Bestandteil der Prüfung, zudem wird sie einmal im Jahr geübt.“
Michael P. hat voll umfänglich ausgesagt. „Es läuft auf eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung hinaus“, sagt Herrmann. Dem Fahrdienstleiter drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Quelle & Bildern: Bild.de

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